Manchmal gibt es Dinge, über die man mit niemanden reden kann, sie aber auch nicht für sich behalten kann. Dann hilft es sie aufzuschreiben.

Link zur Mail-Beratung:

www.ts-im-internet.de

mailen


Mail-Beispiel

Liebe Telefonseelsorge,
können Sie mir helfen? Ich habe ein Problem mit einer Kollegin auf der Arbeit. Ich bin inzwischen ziemlich wütend, weil ich mich über eine Mail von Ihr, die ich in meinem Urlaub erhalten habe geärgert habe.
Zum Hintergrund: es war eine ziemliche stressige Woche in der ich von einem Termin zum anderen hetzten musste, viele Entscheidungen zu treffen waren, ich viele Überstunden gemacht habe und sogar in Erwägung gezogen habe, meinen Urlaub abzusagen. Ich war nur Donnerstag im Büro und dort ging es drunter und drüber. Ich war froh nach all dem Streß und der Aufregung, die mir den Schlaf geraubt hatte, trotzdem in Urlaub zu gehen und alles noch gut geregelt zu haben. Im Urlaub erhielt ich dann von dieser Kollegin eine Mail in der Sie mir vorwarf (in ziemlich unfreundlicher Art und Weise) nicht genügend informiert zu haben und Sie im Stich gelassen zu haben. Diese Mail ging in cc auch an die einzelnen Teammitglieder. Ich habe rein sachlich versucht zu antworten und geschrieben, dass die Kommunikation sicherlich hätte besser laufen können und Sie an meine Vertretung verwiesen. Mich hat das ganze jedoch so geärgert, dass ich in der Nacht immer wieder darüber nachdenken musste und keinen Schlaf fand. Nachdem ich nun aus dem Urlaub zurück bin, frage ich mich, wie ich mit der Kollegin umgehen soll, bzw. wie ich das Problem ansprechen soll? Aus dem Team (die, die Mail in cc bekommen haben) habe ich in der Zwischenzeit erfahren, dass diese Mail als etwas überzogen angekommen ist. Bleibt die Frage, wie kann ich wieder in guten Kontakt mit meiner Kollegin kommen und das Problem aus der Welt schaffen.
Über eine hilfreiche Antwort von Ihnen freue ich mich.
Liebe Grüße Annabell


Liebe Annabell,
mein Name ist Elvira. Sie schreiben, dass Sie eine arbeitsreiche Woche verbracht haben und Sie mit einem eigentlich guten Gefühl in den Urlaub gefahren sind. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, steckte in der Mail der Kollegin (die Sie im Urlaub erreicht hat) ein Vorwurf, den Sie nicht nachvollziehen konnten und deren Inhalt Sie in Ihrem Urlaub verletzt hat. Habe ich Sie bis zu diesem Punkt richtig verstanden?
Sie schreiben, dass Sie Ihren Beruf verantwortungsvoll ausüben und sich erst einen Urlaub gönnen, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Arbeit erlaubt dies. Die vorwurfsvolle Mail Ihrer Kollegin, hat Sie sehr enttäuscht und ich kann mir vorstellen, dass Sie Groll bei Ihnen hervorgerufen hat. Ist das so? Ich finde es gut, dass Sie das Problem nach Ihrem Urlaub direkt angehen möchten, dies bedarf auch eines gewissen Mutes von dem ich denke, dass Sie diesen aufbringen werden, dass spricht für Sie. Finden Sie das auch?
Haben Sie schon eine Vorstellung, davon wie und in welchem Rahmen ein klärendes Gespräch zwischen Ihnen und Ihrer Kollegin stattfinden kann um eine für Sie akzeptable Lösung zu erreichen? Gab es bereits ähnliche Konflikte in Ihrem Arbeitsleben und wie haben Sie diese gelöst? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Viele Fragen für heute und ich freue mich auf Ihre Antwort.
In der Regel antworte ich meist innerhalb von 4-5 Tagen, passt das in Ihre Vorstellung?
Viele Grüße aus Hagen
Elvira


Hallo Elvira,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, die mich gefreut hat. Ja es war wirklich so, die Mail im Urlaub hat mich sehr geärgert und dies spüre ich jetzt auch noch! Ja, Sie haben mich da schon richtig verstanden.
Ich würde der Kollegin schon gerne sagen, was ich in der Woche alles geleistet habe und dass ich mich über die Mail geärgert habe. Diese hat mich ja auch verletzt. Wenn Sie mich so fragen, wie ich das angehen soll, weiß ich auch nicht weiter. Das mich ein Problem bis in den Urlaub verfolgt hat, hatte ich bisher auch noch nicht!
Ich würde mich über eine schnelle Antwort freuen. Viele Grüße Annabell


Liebe Annabell,
ihrem Hilferuf komme ich gerne nach. Beim lesen Ihrer Mail bin ich über den Satz: „Ich würde der Kollegin schon gerne sagen…“ gestolpert. Warum? Müssen Sie sich rechtfertigen? Wichtig wäre vorab zu klären, in welchem Rahmen ein klärendes Gespräch stattfinden soll? Können Sie sich ein Gespräch unter vier Augen vorstellen oder bedarf es eines Mediators? Mich interessiert in welchem Kontakt stehen Sie zu Ihrer Kollegin? Mit welchem Ziel soll das Gespräch geführt werden? Wie ist zur Zeit Ihr Umgang mit der Kollegin?
Fragt und grüßt für heute
Elvira


Liebe Elvira,
toll, dass Sie so prompt geantwortet haben. Zwischen uns herrscht zur Zeit Funkstille, die mir nicht gut tut und wenn ich an das Gespräch denke, bekomme ich Bauchschmerzen. Ich kann mir ein Gespräch unter vier Augen vorstellen weiß aber nicht wie ich es richtig angehen soll? Ich erhoffe mir von dem Gespräch, dass wir wieder ungezwungen und ohne Bauchschmerzen miteinander umgehen können.
Viele Grüße für heute Ihre Annabell


Liebe Annabell,
Bauchschmerzen tun niemandem gut und ich traue Ihnen sehr wohl zu ein klärendes Gespräch mit Ihrer Arbeitskollegin zu führen, damit sich das Arbeitsverhältnis wieder entspannt. Der erste Schritt ist immer der schwerste und dies ist die größte Hürde. Vielleicht haben Sie eine gute Freundin mit der Sie ein solches Gespräch einmal durchspielen können, vielleicht eröffnen sich neue Möglichkeiten. Was denken Sie?
Es grüßt Sie Ihre Elvira


Liebe Elvira,
das Gespräch vorher zu üben, ist ein richtiger guter Tipp, das werde ich ausprobieren und ich freue mich schon Ihnen davon zu schreiben. Ich habe auch schon eine Freundin im Auge, die mich dabei unterstützen kann.
Es grüßt Sie ganz motiviert Ihre Annabell


Liebe Annabell,
ich drück Ihnen die Daumen. Auf Ihre Antwort freut sich Ihre Elvira