Ausstellung Leben

Posted by on Jun 29, 2017 in Allgemein | No Comments

Um einen Einblick in unsere Arbeit zu vermitteln, haben wir eine Wanderausstellung entwickelt, die Sie hier anschauen können. Sie können die Ausstellung auch ausleihen und z.B. in Ihrer Gemeinde oder in der Schule ausstellen.


Die Skepsis ist die Eleganz der Angst.
(Emile Cioran)

„Ich habe Sie zum Glück noch nie kontaktieren müssen– so schlecht ging es mir noch nicht.“ Für manchen ist Ausweglosigkeit die Vorbedingung für einen Kontakt mit dem Krisendienst.. Dabei meint Krise im ursprünglichen Sinn nicht „Sackgasse“ oder „Endstation“, sondern „Wendepunkt“. Es geht darum, die Situation zu bewerten, eine Entscheidung zu treffen und den weiteren Prozess in gute Bahnen zu lenken. Ein anderes Wort dafür heißt „Prävention“. Krise ist nicht Endpunkt, sie ist „Zwischenstopp“, eine Ernüchterungsphase, in der ich meine Ziele neu bewerte, meine Situation reflektiere oder durch emotionale Begleitung neue Energie schöpfe.

TelefonSeelsorge unterstützt „Zwischenstopps“ per Telefon, Mail oder Chat. Dazu gehört, dass ich Ernüchterung und Scheitern in meinem Leben zulasse und dass Probleme nicht ständig umgangen werden.

Betreiben Sie Prävention für Ihr seelisches Gleichgewicht?

Gewalt lebt davon, dass sie von den Anständigen nicht für möglich gehalten wird.
(Jean Paul Sartre)

In Wahrheit – so sagen die anderen – wäre ich eine dumme Kuh, eine Looserin, zu allem zu blöd. Dabei zieht sich alles in mir zusammen. Da hilft nur eins: Zumachen! Ich habe früh gelernt mich zu verschließen – erst vor dem Gezanke meiner Eltern, dann vor dem Gespött in der Schule und schließlich vor meinen eigenen inneren Stimmen. Einmal habe ich bei der TelefonSeelsorge angerufen. Die haben mir meine Geschichte nicht so recht geglaubt. Warum nicht? Weil die anderen kurz vorher dort angerufen hatten; sie wollten ein bisschen Spaß haben. Ich komme halt immer zu spät. Mein einziger Kontakt ist die Seelsorgefrau im Internet. Sie mailt mir, ich solle regelmäßiger essen und mir Hilfe holen, damit ich mir nicht immer die Arme ritze. Ich weiß nicht, ob mir überhaupt noch zu helfen ist.

Was glauben Sie: Wie schafft es der Schnee, so leichtfällig aus unserer Welt eine andere zu machen, und warum gelingt das der Gerechtigkeit nicht oder dem Frieden oder der Wertschätzung?

Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen durch die sie entstanden sind.
(Albert Einstein)

Manchmal steht uns das Wasser bis zum Hals. Verzweifelt versucht der Kopf, die Kontrolle über das zu bekommen, was längst unter die Oberfläche unserer Wahrnehmung abgesunken ist. Wir spüren, dass wir langsam auskühlen. Wie immer der Kopf sich auch bewegt, vermag er letztlich doch nur einen Schatten auf der Wasseroberfläche zu bilden. Könnte man sich doch nur am eigenen Schopfe aus dem Wasser ziehen. Auch wenn ich es noch nicht wage, ich ahne es schon lange. Es gibt nur eine Überlebenschance: Schwimmen lernen und Tauchen üben.

Gespräche mit Empathie und Wertschätzung helfen, neu zu denken und anders zu empfinden.

Wie oft am Tag tauchen Sie in ihr Leben ein?

Machen Sie sich keine Probleme, machen Sie sich Gedanken!

Am Anfang war die Erde wüst und leer, heute bevölkern wir die Welt. Einst lebten wir in Höhlen, heute in klimatisierten Wohnkomplexen. Einst hatten wir nur das Feuer, heute beherrschen wir Licht und Energie. Einst mussten wir das Rad erfinden, heute schweben wir in Raum und Zeit. Einst hatten wir das Paradies verloren, heute behaupten unsere Konsum-Performer, es wieder gefunden zu haben. Eines allerdings ist unverändert: Unsere emotionale Sensibilität hat die Sprachqualität des guten alten Dosentelefons.

Wenn wir an einer Welt bauen wollen, in der sich Menschen wohl und zugehörig fühlen, müssen wir lernen, mit emotionaler Kompetenz zu kommunizieren.

Glauben Sie an die Sensitivität Ihrer Seele oder erleben Sie sich selbst als Sklave ihres neuronalen Netzwerks?

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel – wir haben aber nicht den gleichen Horizont.
(Konstruktivismus)

Je nach Blickwinkel erscheint die gleiche Realität mal weiter, mal näher, mal größer, mal kleiner. Und weil uns die gewohnte Wahrnehmungsperspektive vertraut ist und Orientierung verleiht, erachten wir sie schließlich als wahr und unumstößlich. Eine Krisensituation kann zeigen, dass die Sicherheit trügt. Sei es, weil andere Landkarten mit der unseren unvereinbar sind – sei es, weil sich die Realität verändert hat. Um eine neue Kartierung unserer Lebensrealität anfertigen zu können, müssen wir das kognitive und emotionale „Gebiet“ neu vermessen. Was sind die Maßstäbe und Messpunkte?

Emotionale Unterstützung kann bei der Neuvermessung helfen – durch die Sichtung des Problems, durch das Sortieren der verstreuten Details hin zu einer neuen Orientierung, durch das Heben von Bodenschätzen oder die Erzeugung neuer Energie, durch die Veränderung des Horizontes oder das Ausrichten auf neue Wegstrecken und Zielpunkte.

Mit welcher Landkarte sind Sie gerade unterwegs?

Man wendet sich zur Vergangenheit zurück – und schon springt sie einen an.
(Jaques Prévert)

Es ist nicht wirklich dunkel um mich herum, aber ich habe meine Fensterläden geschlossen und die Lichter gedimmt. Es ist still um mich geworden. Jetzt erst kann ich ihn suchen, meinen inneren Frieden. Es ist leicht, die Welt für einen Moment gehen zu lassen. Aber es ist nicht leicht die Dinge hinter sich zu lassen. Es gibt so manche dunkle Region auf meinem Zeitstrahl, so manches Bild in meiner Erinnerung wirkt gebleicht. Die Stille erzeugt ein Echo. Sie flüstert mir zu, was noch offen ist und was noch nicht rund. Es gibt so viele Seiten in mir, die Einspruch erheben in meiner Seele. Für vieles empfinde ich Dankbarkeit. Manches reckt sich nach dem Baum der Erkenntnis, doch die Früchte hängen zu hoch. Ich sehne mich nach einem Wort, das mir ein wenig Vergebung zuflüstert und einen letzten Trost. Dann wäre ich wieder heil.

Worte können die Bausteine zu der Brücke sein, die mich mit meinem Leben verbindet. Für welche Momente Ihres Lebens hat es sich gelohnt zu leben?

Die Lösung lauert überall.
(Bernd Isert)

Wenn wir das Ziel nicht kennen, ist kein Weg der richtige. Wir sind zwar auf dem Weg, aber wir haben die Orientierung verloren. Vor unserem inneren Auge taucht plötzlich Nebel auf, alles erscheint trübe und ist nur schemenhaft wahrnehmbar. Die Umgebung ist blass und kühl. Wohin geht der nächste Schritt? Vielleicht können wir gar keine Alternative mehr entdecken – oder es gibt so viele, dass es uns schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen.

Emotionale Begleitung bietet keine Lösungen an. Sie kennt nicht die wahre oder falsche Alternative – benennt nicht die guten oder schlechten Seiten. Sie schafft einen Ort voller Wärme und Licht. Einen Ort, an dem sich die eigene Lösung finden lässt

Wie entdecken Sie ihn, den Weg hin zu dem Ort, an dem es hell und warm ist?

Das Universum ist so groß wie die Fähigkeit es wahrzunehmen.
(Konstruktivismus)

Gedankenfetzen wirbeln umher, Gefühle fahren Karussell, ich drehe mich im Kreis. Wo ist mein Horizont geblieben? Ich brauche einen Fixpunkt, auf den ich mich ausrichten kann, bis der Schwindel nachlässt. Dann kann ich meine Wahrnehmung wieder auf das richten, was mir den Himmel auf Erden gibt.

Gespräche entschleunigen die Gedanken und richten sie neu aus auf das, was es zu entdecken gilt, um Leben neue Kraft zu geben.

Wann beginnen Sie, ihre Wahrnehmungsgewohnheiten neu zu eichen?